Ordnung, und können daher nicht früh genug gelehrt und ausgeübt werden. Die wahre Höflichkeit verträgt sich ganz gut mit republikanischer Einfachheit und Würde._ Erstes Capitel. Zu Hause und am eignen Körper. Was fordert Höflichkeit, Anstand und gute Sitte zu Hause? 1. Glaube nicht, Anstand und gute Sitte blos in Gesellschaft beobachten zu müssen; es ist sehr nöthig, sich auch zu Hause, selbst beim Alleinsein, daran zu gewöhnen; denn unwillkürlich und ohne daran zu denken, übt man vor Andern, was man sich gewöhnt hat zu thun, wenn man allein ist und wie in Allem, wird auch hier die Gewohnheit zur zweiten Natur. 2. #Gewöhne Dich früh aufzustehen!# »Früh zu Bette und früh wieder auf, das ist der beste Lebenslauf« -- für Deinen Körper, für Deinen Geist und für Dein Geschäft. Sieben Stunden Schlaf genügen dem gesunden Menschen vollkommen. Wasche Dich -- zu jeder Zeit -- mit frischem Wasser bis an den Gürtel, kleide Dich rasch an, und vergiß dann nie, #Deine Eltern oder deren Stellvertreter zu begrüßen#. Dasselbe thue beim Schlafengehen. 3. In Deinem Zimmer, in allen Deinen Sachen, Büchern, Kleidern #halte die größte Reinlichkeit und die pünktlichste Ordnung#. Unreinlichkeit und Unordnung im Aeußern verrathen auch einen unordentlichen Geist und erregen in der Gesellschaft Ekel und Widerwillen gegen Dich. Beschmutzte und zerrissene Bücher und Hefte sind eines braven Schülers aus einer guten Familie unwürdig. 4. Man kann sehr schöne, reiche #Kleider# anhaben und doch schlecht gekleidet sein, während man mit sehr einfachen Kleidern aus groben Stoffen recht anständig erscheinen kann. Jeder mag sich nach seinem Vermögen kleiden, aber Niemand darf #unreinlich# sein. Sorge dafür, daß Deine Kleider stets rein, ohne Schmutzflecken und ohne Risse seien. Es ist lächerlich, wenn junge Leute zu früh den »kleinen Herrn« spielen, eine Zierpuppe sein, alle Moden mitmachen wollen. Mit #weißer Wäsche und reinen Stiefeln# ist man immer geputzt und kann überall erscheinen. Selbst beim heißesten Wetter erscheine nicht halbgekleidet, mit offener Brust, barfuß. 5. Deinen #Kopf# halte stets gerade, nicht steif noch weniger drehe ihn wie eine Wetterfahne. Nie benütze den Kopf zum Bejahen oder Verneinen oder Geberden des Widerwillens etc. damit zu machen. In der Gesellschaft ist es unhöflich, #irgend einen Körpertheil mit den Händen zu berühren#; den Kopf in die Hand zu lehnen oder sich gar daran zu kratzen, mit den Händen in den Haaren herumzufahren, wäre unanständig. Die Haare halte besonders rein, wohl gekämmt, mit Pommade ja nicht überladen. 6. Dein #Gesicht# sei heiter, weder immer lachend wie ein Thor, noch streng und affectirt. Es wäre beleidigend, mit Leuten, die in tiefem Ernst und Trauer sind, einen überlustigen Ton anzustimmen oder mit kalter und gleichgültiger Miene Jemandem eine üble Nachricht zu hinterbringen, so wie es anderseits unanständig wäre, in fröhlicher Gesellschaft ein ernstes, nachdenkliches Gesicht zur Schau zu tragen. Bei angesehenen Leuten zeige das Gesicht Achtung, aber nicht jene große Schüchternheit, die ein linkisches, albernes Aussehen gibt; für seine Freunde habe man stets ein fröhliches Gesicht, und gegen Dienstboten sei man nicht zu vertraulich, da dieß leicht mißbraucht wird. 7. Die #Stirne# runzeln gibt ein hochmüthiges Ansehen, die #Schultern# zucken ist eine unanständige Bewegung, die #Zunge# zeigt kein höflicher Mensch, mit den Fingern in die #Ohren# greifen ist in Gesellschaft nicht erlaubt. 8. Die #Augen# sind der Spiegel der Seele; darum sei Dein Blick stets heiter, sanft, offen und bescheiden. #Mit Jemandem sprechen ohne ihn anzusehen, ist sehr unhöflich#; auch wenn Jemand mit Dir spricht, blicke ihn an. Aber Jemanden steif anstarren, ihm nachblicken, ihn über die Schulter ansehen, ein Auge zudrücken #oder gar mit dem Finger auf Jemanden deuten#, wäre eine große Ungezogenheit. Lasse Deine Augen nicht frech umherschweifen, aber eben...
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Anthony Hernandez
7 months agoTo be perfectly clear, the emotional weight of the story is balanced perfectly. I will read more from this author.